
Sitzung des Schul-, Kultur- und Sportausschusses am 29.06.2026

TOP 1: Vergabe der Durchführung der Gebäudereinigung in den Schulen des Landkreises Unterallgäu
Gebäudereinigung an den Schulen des Landkreises – Warum der Ausschuss darüber entschieden hat
Im Schul-, Kultur- und Sportausschuss stand ein Thema auf der Tagesordnung, das im Alltag oft kaum wahrgenommen wird – obwohl es jeden Schultag unmittelbar betrifft: die Reinigung der Schulen.
Konkret ging es darum, die Verwaltung zu ermächtigen, die Reinigung der landkreiseigenen Schulen neu auszuschreiben und anschließend die Aufträge zu vergeben.
Warum musste überhaupt neu entschieden werden?
Die aktuellen Verträge für die Unterhalts- und Grundreinigung der Schulen laufen zum Ende des Jahres 2026 aus.
Deshalb muss der Landkreis die Leistungen rechtzeitig neu ausschreiben.
Dabei geht es nicht nur um das tägliche Reinigen von Klassenzimmern, Fluren und Sanitärbereichen, sondern auch um die regelmäßige Grundreinigung.
Die Glasreinigung wurde bereits vor einigen Jahren organisatorisch getrennt und wird deshalb zeitversetzt neu vergeben.
Welche Schulen sind betroffen?
Ausgeschrieben werden die Reinigungsleistungen für die Schulen des Landkreises an den Standorten:
- Mindelheim
- Bad Wörishofen
- Memmingen
Zusätzlich werden die beruflichen Schulen des Zweckverbands in Bad Wörishofen gemeinsam mit ausgeschrieben.
Die Ausschreibung erfolgt europaweit, weil das Auftragsvolumen über den gesetzlichen Schwellenwerten liegt.
Was wird diesmal anders gemacht?
Ein wichtiger Punkt der Diskussion war die Qualität der Reinigung.
In der Vergangenheit gab es Erfahrungen, dass die angebotenen Reinigungszeiten teilweise zu knapp kalkuliert waren und sich das auf Gründlichkeit und Qualität ausgewirkt hat.
Deshalb wird künftig nicht nur der günstigste Preis berücksichtigt.
Die Bewertung der Angebote soll nach folgenden Kriterien erfolgen:
- 50 % Preis
- 25 % Qualitäts- und Umsetzungskonzept
- 25 % tatsächlich vorgesehene Reinigungsstunden
Damit soll verhindert werden, dass allein über einen niedrigen Preis entschieden wird und die Qualität darunter leidet.
Warum entscheidet der Ausschuss nicht später noch einmal über den Auftrag?
Der Ausschuss hat keinen konkreten Dienstleister ausgewählt.
Stattdessen wurde die Verwaltung ermächtigt, nach Abschluss der Ausschreibung den Auftrag direkt an das wirtschaftlichste Angebot zu vergeben.
Der Hintergrund: Solche Vergabeverfahren haben enge Fristen.
Außerdem braucht ein neuer Dienstleister ausreichend Zeit, um Personal einzuarbeiten, Abläufe zu organisieren und den Übergang an den Schulen vorzubereiten.
Gerade bei der täglichen Unterhaltsreinigung hat sich gezeigt, dass zwei bis drei Monate Vorlauf sinnvoll sind, damit der Wechsel möglichst reibungslos funktioniert.
Wie lange laufen die neuen Verträge?
Für die Unterhalts- und Grundreinigung:
- Start: 01.01.2027
- zunächst 2 Jahre Laufzeit
- Verlängerung maximal zweimal um jeweils 2 Jahre möglich
- maximale Laufzeit: 6 Jahre
Für die Glasreinigung:
- Start: 01.04.2027
- ebenfalls mit Verlängerungsoptionen bis maximal 2033
Politische Einordnung
Auch wenn dieser Tagesordnungspunkt zunächst rein organisatorisch wirkt, geht es letztlich um eine ganz praktische Frage: Wie schafft man gute Arbeits- und Lernbedingungen in öffentlichen Schulen – ohne automatisch nur das billigste Angebot zu wählen?
Die Verwaltung hat bewusst stärker auf Qualitätskriterien gesetzt und nicht ausschließlich auf den Preis.
Der Ausschuss folgte diesem Ansatz und fasste die Beschlüsse einstimmig.
TOP 2: Nachfolgeregelung für die Betreuung der Bibliothek der Kreisheimatpflege
Konkret ging es um die Betreuung der Bibliothek und des Archivs der Kreisheimatpflege im Landkreis Unterallgäu.
Was ist die Kreisheimatpflege überhaupt?
Die Kreisheimatpflege beschäftigt sich mit dem Erhalt und der Vermittlung unserer regionalen Geschichte und Kultur.
Dazu gehören beispielsweise:
- Denkmalschutz,
- Museen und Sammlungen,
- Heimatgeschichte,
- Brauchtum und Trachten,
- Volksmusik und Mundart,
- historische Forschung,
- Bodendenkmalpflege,
- sowie die Dokumentation historischer Quellen.
Im Unterallgäu teilen sich mehrere ehrenamtliche Kreisheimatpfleger diese Aufgaben nach Fachgebieten.
Ziel ist dabei nicht nur, Geschichte zu bewahren, sondern Wissen und kulturelles Erbe auch für kommende Generationen zu sichern.
Worum ging es konkret?
Zum Bereich der Kreisheimatpflege gehört auch eine eigene Bibliothek mit Archiv.
Dort werden unter anderem gesammelt und aufbewahrt:
- Bücher,
- historische Unterlagen,
- Archivmaterial,
- eine umfangreiche Diasammlung,
- sowie Dokumentationen früherer Heimatpfleger.
Untergebracht ist dieser Bestand aktuell im ehemaligen Maristen-Internat am Champagnatplatz in Mindelheim.
Die Betreuung dieser Sammlung wurde bislang ehrenamtlich von Peter Hartmann übernommen.
Warum wurde neu besetzt?
Peter Hartmann war bereits viele Jahre in der Heimatpflege aktiv und hatte nach seinem Ausscheiden als Kreisheimatpfleger die Betreuung der Bibliothek weitergeführt.
In dieser Zeit wurde wichtige Aufbauarbeit geleistet:
- das Archiv wurde strukturiert,
- Verzeichnisse erstellt,
- Unterlagen geordnet,
- und die Grundlage geschaffen, um Bestände künftig weiter zu digitalisieren.
Nun bat Herr Hartmann aus privaten Gründen darum, von dieser Aufgabe entbunden zu werden.
Die Verwaltung machte deutlich, dass der Aufwand deutlich größer ist als ursprünglich angenommen und nicht zusätzlich von den bestehenden Heimat- und Archivpflegern übernommen werden kann.
Wer übernimmt künftig?
Als Nachfolger wurde Torsten Schuster aus Mindelheim vorgeschlagen und bestellt.
Nach Angaben der Verwaltung begleitet er die Arbeit bereits seit längerer Zeit, bringt Interesse an Geschichte mit und wurde gemeinsam mit den Kreisheimat- und Kreisarchivpflegern als geeigneter Nachfolger ausgewählt.
Die Tätigkeit erfolgt ehrenamtlich.
Dafür wird – wie bisher – eine pauschale Aufwandsentschädigung in Höhe von 130 Euro pro Monat sowie eine Fahrtkostenerstattung gezahlt.
Politische Einordnung
Auch wenn es sich formal um eine Personalentscheidung handelt, zeigt dieser Tagesordnungspunkt etwas Grundsätzliches:
Viele Bereiche unseres kulturellen Gedächtnisses funktionieren nur, weil Menschen über Jahre ehrenamtlich Zeit und Fachwissen einbringen.
Archive, Sammlungen und historische Dokumentationen entstehen nicht von selbst – sie müssen gepflegt, geordnet und zunehmend auch digital gesichert werden.
Mit der Nachbesetzung soll sichergestellt werden, dass dieses Wissen und diese Bestände auch künftig erhalten bleiben.
Der Ausschuss stimmte dem Wechsel einstimmig zu.